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DIE LINKE unterstützt die Familien- und Bürgerinitiative Gildekiste

Der LINKE Regionsabgeordnete Stefan Müller und Ratsmitglied Michael Höntsch am Stand der LINKEN auf dem Gilde-Straßenfest am 18.04.2009
Michael Höntsch spricht für DIE LINKE Ratsfraktion

Die Gilde – vom Traditionsunternehmen zum Spekulationsobjekt

Seit 1526 wird in Hannover Gilde Bier gebraut. Gilde war immer und ist auch heute eine feste Größe in Hannover. Gilde hat den Alltag der Hannoveranerinnen und Hannoveraner geprägt wie kaum ein zweites Unternehmen. Sei es in Kneipen, bei Veranstaltungen oder aber auch beim Sponsoring. Wo stände der lokale Bundesligist Hannover 96 heute, wenn Gilde nicht in den schweren Zeiten der Drittklassigkeit ausgeholfen hätte? Wie wäre es wohl um das hannoversche Eishockey bestellt, ohne das Engagement von Gilde? Aber auch zahlreiche Großveranstaltungen, wie das Frühlings- oder Oktoberfest, das Schützen- oder das Maschseefest wären wohl ohne den Sponsor Gilde längst nicht so, wie wir sie kennen und lieben.

Die Finanzkrise erschüttert seit Monaten die Welt, aber oft hat man den Eindruck, selbst von der Krise gar nicht betroffen zu sein. Die Verantwortlichen scheinen oft in den fernen Bürotürmen internationaler Finanzzentren zu sitzen, weitab vom hannöverschen Alltag. Aber das Beispiel Gilde zeigt, dass die Verantwortung eben nicht nur bei den internationalen Finanzspekulanten liegt. Auch in Hannover wurden in den letzten Jahren Entscheidungen getroffen, die mit zu dieser Krise beigetragen haben – und jetzt beispielsweise die Existenz vieler, wenn nicht aller Kolleginnen und Kollegen der Gilde Brauerei bedrohen.

Die Gilde Brauerei Hannover war immer ein gesundes, gut funktionierendes, vor allem aber ein lokales Unternehmen. Man schrieb schwarze Zahlen und gehörte zur Jahrtausendwende zu den zehn erfolgreichsten Unternehmen der deutschen Brauereiwirtschaft. Doch wie so oft weckte dieses Unternehmen auch Begehrlichkeiten. Im Jahr 2002 wurde die damals noch belgische Interbrew auf die Gilde aufmerksam, nachdem sie bereits Diebels und Beck’s übernommen hatten. Die Gilde war damals zu mehr als 85 Prozent im Besitz der Brauergilde AG, einer Aktiengesellschaft, die aus der mittelalterlichen Brauergilde hervorgegangen war – und sich wiederum teilweise im Besitz der Landeshauptstadt Hannover befand. Bereits 2002 machten Geld und Gier die Aktionäre schwach, wie in den damaligen Artikeln der lokalen Presse nachzulesen ist. Bereitwillig verkauften die Aktionäre das Unternehmen an einen windigen internationalen Konzern und machten die traditionsreiche Brauerei so zum Spekulationsobjekt.

Nach zahlreichen Einkäufen rund um den Globus heißt der Besitzer der Gilde Brauerei heute ABInBev und ist der wahrscheinlich größte Bierkonzern der Welt. Der Konzern besitzt nach eigenen Angaben derzeit rund 300 Biermarken und hat im Jahr 2008 26,5 Milliarden Euro umgesetzt. Nur eines fehlt: die soziale Verantwortung. Denn unter all diesen Marken spielt die Gilde mittlerweile offenbar keine Rolle mehr. Die Marke wurde in den vergangenen Jahren systematisch zu Gunsten von größeren Marken wie Beck’s zurückgefahren. Nach fast 500 Jahren droht jetzt das Ende der hannöverschen Biermarke. Warum auch sollte sich ein weltumspannendes Unternehmen für ein paar wenige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Hannover interessieren? Profit ist das einzige, was im Weltfinanzsystem von Interesse ist, Menschen spielen da keine Rolle.

Was können wir dagegen tun? Astra in Hamburg und Wolters in Braunschweig haben gezeigt, dass es auch anders geht. Mit breiter Solidarität und Unterstützung von Bevölkerung und Lokalpolitik wurden diese Unternehmen wieder in die Region zurückgeholt und so sowohl die Unternehmen als auch die Arbeitsplätze gerettet. Das muss auch in Hannover möglich sein!

Auch die Stadt Hannover muss sich für die Gilde Brauerei engagieren. Die Stadt war vor dem Verkauf an Interbrew an der Brauergilde beteiligt und trägt damit eine Mitschuld an der Situation. Das Argument der leeren Kassen darf man dabei nicht gelten lassen: Wer 125 Millionen Euro zur Kapitalaufstockung der Messe AG aufbringen kann, nur damit diese weitere internationale Abenteuer finanzieren kann, muss auch in der Lage sein, ein lokales Traditionsunternehmen zu retten!

Wir fordern deshalb:

  • Die Gilde Brauerei Hannover muss mit allen derzeitigen Arbeits- und Ausbildungsplätzen erhalten bleiben
  • Die lokalen Traditionsmarken Gilde und Lindener müssen unterstützt und wiederaufgebaut werden

Wir fordern alle Bürgerinnen und Bürger in Hannover auf:

  • Solidarisieren sie sich mit den Kolleginnen und Kollegen der Gildebrauerei!
  • Unterstützen sie die Familien- und Bürgerinitiative Gildekiste!
  • Unterstützen sie die lokalen Kneipen und kaufen sie Gilde Bier!