In einem breiten Streifen von der Voltmerstraße bis zum Mittellandkanal ist das Grundwasser mit Vinylchlorid bis zu 270 Mikrogramm pro Liter belastet – der Grenzwert liegt bei 0,5 Mikrogramm. Vinylchlorid führt zu Schädigungen von Leber, Speiseröhre, Milz und Haut und ist als krebserregend eingestuft. Die gefährliche Chemikalie ist ein Abbauprodukt des bei der Metallverarbeitung in der ehemaligen Sorst-Fabrik freigesetzten Entfettungsmittel TRI (Trichloräthylen), dessen Benutzung aus gesundheitlichen Gründen seit Jahren verboten ist. Rechtsnachfolger der inzwischen nicht mehr existenten Firma Sorst ist die Metallfirma Mevaco, die laut Bodenschutzgesetz auch für die Sanierung dieser Altlast zuständig wäre. Die betroffenen Kleingärtner wurden von der Region bisher nicht ausreichend informiert. Sie erhielten zwar ein Schreiben, dass das Wasser ihrer Brunnen nicht zum Trinken geeignet ist, sie damit aber durchaus ihr Gemüse gießen könnten, da Vinylchlorid an der Luft verdunsten würde. Niemand hat aber bisher Informationen darüber erhalten, auf welche anderen Giftstoffe überhaupt geprüft wurde, die sich möglicherweise in den Pflanzen anreichern könnten, und welche Brunnen im Einzelnen betroffen sind. Denn die Ausbreitung des verseuchten Grundwassers kann durchaus, wie bei einem See an der Erdoberfläche, in unregelmäßigen Ausbuchtungen erfolgen.
Der Bezirksrat Nord hat deshalb auf Anregung der LINKEN hin einen gemeinsamen Antrag aller Fraktionen verabschiedet, mit dem die Region aufgefordert wird, alle Brunnen im betroffenen Gebiet einzeln untersuchen zu lassen. Außerdem solle die Stadt die Versorgung der dort geduldeten fest Wohnenden mit Trinkwasser gewährleisten, denn als Besitzer der Grundstücke ist sie verantwortlich für den gesundheitlichen Schutz ihrer Pächter.
Sprachen sich im Bezirksrat Nord noch alle Parteien für diese Forderungen aus, stießen sie im Umweltausschuss der Stadt Hannover auf die einhellige Ablehnung aller Parteien außer der LINKEN. Anscheinend hat man dort Vertrauen zum Vorgehen der Region, unserer Ansicht nach zu Unrecht. So heißt es in einer Beantwortung einer Anfrage der LINKEN an die Regionsversammlung: „Es ist vorgesehen, die Firma Mevaco aufzufordern, durch einen Gutachter Umfang und Ausdehnung der Grundwasserverunreinigung auch außerhalb des ehemaligen Betriebsgrundstücks genau erkunden sowie eine Sanierungsuntersuchung vornehmen zu lassen.“ Geschehen ist das bisher nicht – wir bleiben dran!
Roter Faden, Ausgabe November 2007