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Rede von Dirk Machentanz zur aktuellen Stunde: 18. Gymnasium in der Ratsversammlung am 29.11. 2018

Rede von Dirk Machentanz zur aktuellen Stunde:
18. Gymnasium
in der Ratsversammlung am 29.11. 2018

[Es gilt das gesprochene Wort]

Meine Damen und Herrn, es wird sie nicht wundern, wenn ich hier und heute kein Plädoyer für das 18. Gymnasium halte.

Sie von der CDU fragen: Braucht Hannover ein 18. Gymnasium?

Eindeutig, nein!

So sind ja selbst die Schulleiter der Gymnasien dieser Meinung und ergänzen, dass die bestehenden 17 Gymnasien nicht ausgelastet seien. Eine bessere Aufteilung der Schülerinnen sollte daher vorgenommen werden.

Aber auch aus grundsätzlichen Erwägungen sprechen wir uns gegen ein 18. Gymnasium aus. Bildet doch das Gymnasium eine wesentliche Säule des dreigliedrigen Schulsystems. Dieses ist mittlerweile so antiquiert, das laut OECD, für PISA zuständig und wahrlich keine Sozialistische Vereinigung, das deutsche Schulsystem dem einer „Ständegesellschaft“ aus dem 19. Jahrhundert entspricht. Ein vernichtendes Urteil.

Kognitives Lernen, Frontalunterricht, Versagensangst, nicht selten nehmen Kinder schon mit 12 Jahren Psychopharmaka, um den Leistungsdruck Stand zu halten. Der Alltag wird geprägt durch die Gaußsche Normalverteilung, Konkurrenz und Notendruck. Alle die von zu Hause nicht die nötige Unterstützung bekommen sind per se benachteiligt, da sie in der Schule nicht mit der erforderlichen Förderung rechnen können. Ich möchte hier nochmals die bereits erwähnte OECD- Studie zitieren: In keinem anderen OECD-Land ist die soziale Herkunft für den späteren Schulabschluss so entscheidend wie bei uns.

Wenn jetzt bei der Begründung der Befürworter der Elternwille ins Feld geführt wird, dann ist das meines Erachtens keine Absage an solidarisches, gemeinsames Lernen. Sondern vielmehr der erklärte Wille, koste es was es wolle, mein Kind mit dem vermeintlich besten Schulabschluss ins Leben starten zu lassen. Wer kann da den Eltern einen Vorwurf machen. Wollen sie doch nur Beste für ihre Kinder. Zumal die eigentliche Alternative, die Gesamtschule, sich zum Teil in einem jämmerlichen Zustand befindet und vernachlässigt wird.

Da werden Förderkurse gestrichen. Stattdessen wird Hochbegabten-Förderung betrieben um dadurch extra Zuschüsse zu ergattern. Jetzt wartet man eigentlich nur noch auf das Argument, Akademikerkinder sind einfach Intelligenter und begabter als Arbeiterkinder und das schon von Geburt an.

Nicht zuletzt das Anwachsen der Nachhilfe-Industrie zu einer Milliardenbranche, zeigt wie ungenügend das herrschende Schulsystem seinen Aufgaben gerecht wird.

Stattdessen: Solidarisches, gemeinsames Lernen möglichst lange, in einer optimal ausgestatteten Schule. Mit Mut zum Widerspruch. Wir unterstützen auch die Initiative für eine sog. Laborschule. Neues beim Lernen ausprobieren, schließlich liefert uns doch die schon seit Jahren bestehende „Laborschule“ in Bielefeld bereits wichtige Erkenntnisse für Methodik und Didaktik in der Schule.

Alle Kinder mit ihren Stärken und Schwächen auf eine spannende Bildungsreise mitnehmen. Ob eine Einheitsschule oder Laborschule ist zweitrangig.