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Straßenbenennung in Davenstedt-West: „Neutral-Moresnet“ erinnert an historische Friedensregion

Auf Initiative von Bezirksratsherr Siegfried Egyptien (PIRATEN) führt eine bisher namenlose Wegeverbindung im Stadtbezirk Ahlem-Badenstedt-Davenstedt nunmehr offiziell den Namen „Neutral-Moresnet“. Der Stadtbezirksrat hatte die Namensgebung für die Grünverbindung zwischen Sickenberghof und Davenstedter Straße im März 2019 einstimmig beschlossen. Siegfried Egyptien sei für seine Hartnäckigkeit und seine großes Interesse an dem historischen Kleinstaat Neutral-Moresnet zu danken, kommentierte die Hannoversche Allgemeine Zeitung.

Das historische Neutral-Moresnet entstand nach Ende des napoleonischen Krieges bei der Neuordnung Europas. Da sich Preußen und die Niederlande nicht einigen konnten, wer dieses Gebiet mit seinen Bodenschätzen besitzen darf, wurde es für neutral erklärt und entmilitarisiert. Neutral-Moresnet lag zwischen dem niederländischen Alt-Moresnet (Moresnet-Chapelle) im Westen, heute Teil der wallonischen Gemeinde Plombières, und Preußisch-Moresnet im Osten, heute Teil der Gemeinde Kelmis in der deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) Belgiens. Es existierte völkerrechtlich von 1816 bis 1919, wurde von einem niederländischen und preußischen Kommissar verwaltet.

„Mit meiner Namensgebung-Initiative wollte ich an das Gebiet des Friedens erinnern“, so PIRATEN-Politiker Egyptien. Fast hundert Jahre gab es in Neutral-Moresnet keinen Krieg - obwohl dort Galmei, das für die Zink- und Messingherstellung notwendig war, abgebaut, verhüttet und nach ganz Europa exportiert wurde. Diese außergewöhnlich lange Friedensperiode auf dem sonst kriegsgeschüttelten alten Kontinent fand erst 1914 ein Ende. Kaiserliche deutsche Truppen unter Führung des hannoverschen Generals Otto von Emmich, der als „Schlächter von Lüttich“ in die Geschichte einging, besetzten das Gebiet bei ihrem Überfall auf Belgien.

„Es ist uns eine Ehre und wir sind stolz, dass man hier in Hannover an uns und die Historie unserer Region denkt“, erklärte Bürgermeister Luc Frank aus Kelmis. Er war gemeinsam mit weiteren Gemeindevertretern zur Enthüllung der Straßennamen- und Legendenschilder am 25. Oktober 2019 aus Belgien angereist. Und er brachte als Gastgeschenk zwei Bücher mit engem Bezug zu „Neutral-Moresnet“ mit. „Wir haben uns vorgenommen, Kelmis und unsere besondere Vergangenheit bekannter zu machen“, so Frank. Die beiden Titel - „Niemands Land: Die unglaubliche Geschichte von Moresnet, einem Ort, den es eigentlich gar nicht geben durfte“ von Philip Dröge (Piper) und „Zink“ von David Van Reybrouck (Suhrkamp) – befinden sich im Bestand der Stadtbibliothek.